Montag, 3. Dezember 2007

Russlands Börse hofft auf Putin

Ein Wahlsieg der Präsidentenpartei wäre positiv für die Aktienkurse. Die nüchterne Wahrheit: Kontinuität ist Anlegern wichtiger als demokratische Werte.

Wenige Tage vor der Duma-Wahl erinnert der verbale Schlagabtausch zwischen Russland und dem Westen einmal mehr an die Zeiten des Kalten Krieges. Europäische Politiker protestierten gegen die Festnahme von Oppositionspolitikern. Russlands Präsident Wladimir Putin wirft den Kritikern dagegen Einmischung in innere Angelegenheiten vor.

Auf die Stimmung an Moskaus Börse drückte zuletzt allerdings weniger Putins Streben nach Machterhalt als vielmehr die weltweite Kurskorrektur. Gegenüber dem vor knapp drei Wochen markierten Rekordhoch gab der Leitindex RTS gut sechs Prozent nach. Charles Tennes von KIT Fortis Investments in St. Petersburg erwartet von einem Wahlsieg für Putins Partei Einiges Russland am Sonntag sogar ein Kaufsignal: "Der Kapitalmarkt würde eine Wiederwahl Putins auf jeden Fall positiv bewerten, weil Anleger Kontinuität an der Börse mehr gutheißen als demokratische Werte."

Russland erlebte während Putins siebenjähriger Amtszeit einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. In den vergangenen vier Jahren lag das Wachstum stets bei deutlich mehr als sechs Prozent. Die Deutsche Bank geht für 2007 von einem anhaltenden Konjunkturhoch mit einem Plus von 6,7 Prozent aus. Im kommenden Jahr soll der Wirtschaftsmotor nur moderat an Schwung verlieren. Triebfeder für den Boom ist der hohe Ölpreis. Rund ein Viertel des russischen Bruttoinlandsproduktes stammen aus den Einnahmen für Öl und Gas. Im Börsenindex RTS ist der Sektor sogar für die Hälfte der Kapitalisierung verantwortlich. Von dem glänzenden Geschäft profitiert die neu entstandene russische Mittelschicht, die dafür sorgt, dass sich der Konsum zur zusätzlichen Konjunkturstütze mausert.

Zertifikate bieten Risikoschutz

Obwohl Russland mittlerweile zur elftgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen ist, muss die Politik noch eine Reihe von Problemen lösen. Fortis-Manager Tennes sieht eine der größten Gefahren in der Korruption. Evelyn Moser und Thorsten Nestmann, Russlandexperten der Deutschen Bank, weisen in einer Studie auf eine weitere Stellschraube hin: "Für ein dauerhaft tragfähiges Wachstum ist eine Steigerung der Investitionen erforderlich." 2006 lag ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt bei vergleichsweise geringen 18 Prozent. Nach Meinung der Analysten müsse die Politik die begonnen Reformen fortsetzen, um den Finanzsektor nachhaltig zu stärken.

Alles in allem dürfte Russland für Anleger weiterhin Chancen bieten. Allerdings sollte das Engagement angesichts der Risiken nicht über einen kleinen Teil des Depots hinausgehen. Ein breit diversifiziertes Investment ermöglichen zum Beispiel Zertifikate. ABN Amro bietet Papiere auf die Subindizes des RTS an. Damit lässt sich unter anderem auf die Öl- und Gaswerte des Leitindex setzen. Nach Meinung von JP Morgan ist dieser Sektor im Vergleich zur Konkurrenz unterbewertet. Im Schnitt würden russische Ölaktien zum Zehnfachen des für 2007 geschätzten Gewinns gehandelt. Europäische Pendants haben ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf, US-Produzenten von 13.

Aktiv gemanagte Fonds als Alternative

Mit dem Daxglobal Russia Index versucht die Deutsche Börse, den russischen Aktienmarkt abzubilden. In dem Barometer sind die Aktienzertifikate (ADRs) 28 russischer Konzerne enthalten. In Euro gerechnet liegt der Daxglobal Russia seit Jahresanfang in etwa gleichauf mit dem RTS. Mit einem Spread von einem Prozent bietet die Dresdner Bank einen Tracker ohne Laufzeitbegrenzung auf die ADR-Auswahl an. Da der Kursindex als Basiswert dient, müssen Zertifikateinhaber auf die Dividenden verzichten.

Eine Alternative bieten aktiv gemanagte Fonds. Der DWS Russia setzt den Schwerpunkt auf Energie- und Rohstoffunternehmen. Zwischen Silvester und Ende Oktober scheiterte der 877 Mio. Euro schwere Fonds allerdings an dem Ziel, den MSCI Russia zu schlagen. Deutlich günstiger ist der Indexfonds Lyxor Russia, der den DJ Rusindex Titans 10 abbildet. Dieser Auswahlindex schaffte es zuletzt aber nicht, den breiten Markt zu schlagen.

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