Wirtschaftsschwäche in Ungarn
Die Finanzpolitik war in der Vergangenheit ist zu lax, die Inflation ist zu hoch und das Leistungsbilanzdefizit eine Bedrohung für die Stabilität des Wechselkurses. Im Gegensatz zu den meisten seiner Nachbarn in Mittel- und Osteuropa weist Ungarn eine eher bescheidene Konjunkturdynamik auf. In den letzten drei Quartalen verringerte sich die Wachstumsrate stetig, zuletzt auf eine Jahresrate von 1,2 Prozent. Grund ist der schwache inländische Konsum, der durch die Steuererhöhungen und Subventionskürzungen der Regierung Ferenc Gyurcsany belastet wird. Der strikte fiskalpolitische Kurs ist jedoch notwendig, um die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen. Für das Gesamtjahr dürfte die Wachstumsrate unter zwei Prozent fallen und auch in den kommenden Jahren ist kaum mit einer wesentlichen Beschleunigung zu rechnen.
Droht eine Stagflation?
Gleichzeitig bleibt die Inflationsrate hoch. Die ungarische Notenbank hat ihre Inflationsprognosen für 2008 und 2009 auf 5,0 und 3,0 Prozent angehoben. Es besteht die Gefahr von Stagflation, d.h. Stagnation gepaart mit Inflation. Für eine Lockerung der Geldpolitik ist damit eigentlich kein Spielraum vorhanden. Tatsächlich hat die Notenbank in der letzten Woche nach zwei Zinssenkungen in den Vormonaten den Leitzins unverändert bei 7,50 Prozent gelassen. Sollte der Forint nicht wieder deutlich unter Aufwertungsdruck geraten – wovon nicht auszugehen ist – dann dürfte die Notenbank trotz der schwachen Konjunktur weiterhin von Zinssenkungen Abstand nehmen. Ungarn büßt derzeit die wirtschaftspolitischen Verfehlungen und Versäumnisse der Vergangenheit. Investitionen in den Forint sind unter diesen Umständen derzeit wenig attraktiv.
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