von David Pilling (Tokio), Wolfgang Proissl (Brüssel) und Mark Schieritz (Frankfurt)
Japans Regierungschef schlägt wegen des Höhenflugs der Landeswährung Yen Alarm. Die Aufwertung des Yen verlaufe "zu schnell", Devisenhändler müssten "vorsichtig sein", sagte Premier Yasuo Fukuda der Financial Times und drohte damit indirekt Interventionen am Devisenmarkt an.

Der Yen kletterte am Montag gegenüber dem Dollar zwischenzeitlich auf ein 18-Monats-Hoch. Die Äußerungen sind bemerkenswert, weil Japan seit 2004 nicht mehr am Devisenmarkt eingegriffen hat. Stattdessen wurde der Wechselkurs den Märkten überlassen. Dass die Japaner nun wieder mit Interventionen liebäugeln, zeigt die enormen internationalen Spannungen im Zuge der anhaltenden Dollar-Schwäche.
Die Abwertung des Dollar ist ein wichtiger Grund für den starken Yen. Die US-Währung verliert an Wert, weil Investoren eine konjunkturelle Verlangsamung und sinkende Zinsen erwarten. Aus Sicht der Amerikaner ist die Abwertung hilfreich, da sie die Ausfuhren ankurbelt. In der US-Wirtschaft, die derzeit von der Immobilienkrise gebeutelt wird, sorgt dies für Erleichterung. In Europa und Asien belastet der schwache Dollar die Exportwirtschaft.
"Kurzfristig ist eine Aufwertung des Yen ein Problem. Jegliche abrupte Änderung im Wechselkurs wäre nicht erwünscht", sagte Fukuda. Er kündigte Eingriffe zwar nicht an, warnte aber: "Spekulative Bewegungen müssen unter Kontrolle gebracht werden. Ich sage: Seid vorsichtig, damit es nicht dazu (zu Interventionen) kommt." In Japan ist das Finanzministerium für die Währungspolitik zuständig. Tokio hatte vor 2004 wiederholt versucht, den Wechselkurs mit gezielten Eingriffen zu beeinflussen.
Die Aufwertung wird auch dadurch beschleunigt, dass Investoren aus Angst vor einer Ausweitung der Immobilienkrise Mittel aus Niedrigzinswährungen wie dem Yen abziehen. In den vergangenen Monaten haben sich Investoren in diesen Währungen verschuldet und Geld in Ländern mit höheren Zinsen angelegt. Dieser Carry-Trade kommt zum Erliegen, wenn die Risikoscheu zunimmt.
Der Chef des EU-Arbeitgeberverbands Businesseurope, Ernest-Antoine Seillière, sagte, die Aufwertung des Euro belaste Unternehmen in der Euro-Zone. Die Finanzminister des Währungsraums wollen daher China dazu bringen, die Kopplung seiner Währung an den Dollar zu lockern - damit ein stärkerer Renminbi den Höhenflug des Greenback stoppt.
"Wir werden versuchen, unseren chinesischen Freunden klarzumachen, dass China eine wachsende Verantwortung hat", sagte am Montag der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker. Für Gespräche mit Chinas Führung will Juncker Ende November zusammen mit dem Chef der Europäischen Zentralbank und EU-Währungskommissar Joaquín Almunia nach Peking reisen.
Viele Schwellenländer versuchen, die Aufwertung ihrer Währungen gegenüber dem Dollar mit Kapitalverkehrskontrollen zu verhindern. So hatte es Indien kürzlich ausländischen Hedge-Fonds erschwert, auf Aktien zu spekulieren. Gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner hat der Dollar seit Jahresbeginn um zehn Prozent abgewertet.
Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds ist der Greenback aber immer noch überbewertet. Die Währung müsse weiter abwerten, um einen Abbau des hohen US-Leistungsbilanzdefizits zu ermöglichen, sagte Michael Deppler, der Chef der IWF-Europaabteilung.