Mittwoch, 31. Oktober 2007

DEVISEN/Euro markiert vor Fed-Entscheid neues Rekordhoch

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Euro hat vor der mit großer Spannung erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank im asiatischen Geschäft mit 1,4448 USD ein neues Allzeithoch gegen den Dollar markiert. Beim Übergang in den europäisch geprägten Handel am Mittwochmorgen ist die Einheitswährung zwar von dem Rekordniveau etwas zurückgekommen, angesichts der Dynamik der Aufwärtsbewegung gehen Marktteilnehmer aber von einem baldigen Test der Marke von 1,45 USD aus. Mit Blick auf die Leitzinsentscheidung der US-Notenbank könnte dieses Niveau bereits am Berichtstag getestet werden. Die Mehrzahl der Beobachter geht davon aus, dass die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte senken wird, womit sich die Zinsdifferenz zum Euroraum weiter einengen würde.

Einige Beobachter halten sogar einen großen Zinsschritt für nicht ausgeschlossen, zumal das am Dienstag gemeldete Verbrauchervertrauen in den USA auf ein neues Zweijahrestief gefallen ist, was erneut Ängste vor einer stärkeren Abschwächung der Wirtschaft geschürt hat. An den Geldmärkten wird eine Senkung von 25 Punkten mit einer Wahrscheinlichkeit von praktisch 100% eingepreist. Vor der Sitzung am Abend steht allerdings noch eine ganzer Reigen an US-Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, der das Währungspaar stärker bewegen könnte. Unter anderem kommen der ADP-Arbeitsmarktbericht Oktober, die Erstveröffentlichung des US-BIP für das erste dritte Quartal sowie die Bauausgaben September. Vormittags stehen zudem diverse Daten aus dem Euroraum auf der Agenda.

Die Entscheidung der japanischen Notenbank, den Leitzins unverändert bei 0,50% zu belassen, hat indes am Devisenmarkt kaum eine Rolle gespielt. Der Yen zeigt sich zum Dollar bzw zum Euro nur wenig bewegt. Die Entscheidung entsprach den Erwartungen der Volkswirte. Auf Interesse könnte derweil die Pressekonferenz von Notenbankpräsident Fukui stoßen. Sollte sich dieser negativ hinsichtlich der weltweiten Wirtschaftsaussichten äußern, könnte das den Yen unter Abgabedruck setzen, selbst gegen den Dollar, heißt es im Handel. Die Feinunze Gold notiert am Morgen bei 783,70 USD nach einem Nachmittagsfixing in London mit 783,25 USD.

Richtungsweisende Zinsentscheidungen

Die Ungewissheit über den weiteren Kurs der Geldpolitik ist in den letzten Wochen in vielen Ländern deutlich gestiegen. Davon wird inzwischen auch die EZB erfasst, deren Zinserhöhungspolitik immer mehr in Frage gestellt wird. Grund dafür ist der starke Euro, aber nicht nur. Die Konjunktur in Euroland ist nicht mehr so robust wie es noch vor einigen Monaten den Anschein hatte. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone fiel im Oktober auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Der Indikator zeigte damit den vierten Monat in Folge einen Rückgang. Häufig wird dem Einkaufsmanagerindex im Gegensatz zu seinem Pendant in den USA, dem ISM-Index, nicht allzu große Bedeutung zugemessen. Doch diesmal ist das anders: Der Rückgang von 53,2 auf 51,5 Punkte im Oktober war überraschend deutlich. Die Zahlen legen nahe, dass es im vierten Quartal 2007 erstmals seit drei Jahren bei der Industrieproduktion in der Eurozone wieder einen Rückgang im Quartalsvergleich geben könnte.

Zinssenkung der Fed?

Das dürfte auch die Notenbanker in der EZB nicht unberührt lassen. Sowieso werden aufgrund des starken Euros die Stimmen aus Politik und Wirtschaft immer lauter, die eine weniger restriktive Geldpolitik fordern. Drohen echte Gefahren für die Konjunktur, dann könnte die EZB ihre bisherige Linie durchaus ändern. Ein Beibehalten des aktuellen Zinsniveaus bis zum Jahresende ist nicht mehr ausgeschlossen. Entsprechende Spekulationen könnten den Euro bis zur nächsten Sitzung am 8. November unter Druck setzen. Zuvor dürfte aber das Treffen der US-Notenbank am 31. Oktober im Mittelpunkt stehen. Da die jüngsten US-Konjunkturdaten, vor allem die Zahlen vom Immobilienmarkt, deutlich schwächer als erwartet ausfielen, ist mit einer weiteren Zinssenkung zu rechnen.

Bank of England hält still

In Großbritannien ist dagegen keine Zinssenkung zu erwarten. Das Wachstum war im dritten Quartal höher als erwartet und lag auch über der Potenzialrate. Das ist angesichts der nicht von der Hand zu weisenden Inflationsgefahren kein Umfeld für eine geldpolitische Lockerung bei der Sitzung am 8. November. Das Pfund reagierte entsprechend mit Aufwertungsdruck, auch gegenüber dem Euro. In Australien haben dagegen die Spekulationen über eine Zinserhöhung am 7. November neue Nahrung erhalten. Die Inflationsrate lag im dritten Quartal über den Erwartungen. Angesichts der hohen Auslastung der Produktionskapazitäten und dem angespannten Arbeitsmarkt könnte das Stabilitätsziel der Notenbank gefährdet sein. Entscheidend für die weitere Entwicklung am Devisenmarkt sind jedoch die Zinsentscheide in den USA und in der Eurozone. Sollte die Fed ein Ende der Zinssenkungen signalisieren und die EZB ihre Erhöhungspolitik beenden, dann könnte dies den Aufwertungstrend des Euros beenden.

Erfolgreiche Devisen-Trades wünscht