Mittwoch, 12. Dezember 2007

Die Fed - Ein bisschen Leitzinssenkung

Die US-Notenbank Fed hat getan, was die meisten Ökonomen angesichts der Verschärfung der Immobilien- und Hypothekenkrise erwartet hatten: Sie hat den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent gesenkt.

Die Märkte zeigten sich leicht enttäuscht, der eine oder andere hatte offenbar doch auf eine etwas größere Lockerung gehofft. Mit Blick auf die zunehmende Rezessionsgefahr in den USA ist diese Zinssenkung richtig. Auch die extreme Unsicherheit an den Geldmärkten und die wachsende Gefahr einer echten Kreditklemme in den USA rechtfertigen die Lockerung der Geldpolitik - obgleich die Inflationsrate noch steigt und nur die bereinigte Kernrate der Teuerung vergleichsweise stabil ist.





Richtig ist auch die Entscheidung, es bei einem Absicherungsschritt von 25 Basispunkten zu belassen. Bei allen Anzeichen für eine Rezession der US-Wirtschaft im Wahljahr 2008 sind einige Indikatoren wie etwa der Arbeitsmarkt noch immer robust. Für einen größeren Schritt gibt es deshalb keine zwingenden Argumente. Er wäre an den Märkten eher als dramatisches Warnsignal aufgefasst worden, das auch für unmittelbaren Druck auf den Dollar gesorgt hätte.

Auch der kleine Zinsschritt ist allerdings mit Risiken verbunden. Einerseits bestärkt die Fed erneut den für sie gefährlichen Verdacht, dass sie sich von den Erwartungen der Märkte treiben lässt. Dieser Eindruck drängt sich umso mehr auf, als sie bis Ende November noch signalisiert hatte, von weiteren Schritten zunächst abzusehen.

Und mit der Ausweitung der Zinsdifferenz zur Euro-Zone nimmt die Anfälligkeit des Dollar zu. Solange die EZB keinen Grund sieht, ihrerseits auf eine Konjunkturabschwächung mit niedrigeren Zinsen zu reagieren, bauen sich hier wachsende Spannungen auf.

Kursverluste nach US-Zinssenkung

von Mark Schrörs und Yasmin Osman (Frankfurt)
Angesichts deutlich gestiegener Risiken für die Konjunktur hat die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins erneut gesenkt. Die Währungshüter nahmen den Satz von 4,5 auf 4,25 Prozent zurück. Daraufhin knickten die US-Börsen ein.
Die Fed betonte, die Spannungen an den Finanzmärkten hätten seit Ende Oktober "zugenommen". Jüngste Daten deuteten an, dass sich das Wachstum "verlangsamt". Der Chef der Fed Boston, Eric Rosengren, stimmte gar für eine Senkung um 50 Basispunkte.

Damit hat die Fed den Zinssatz seit Mitte September um einen Prozentpunkt reduziert. Hintergrund ist die Sorge, dass die Krise um faule US-Hypothekenkredite, die Turbulenzen im Finanzmarkt und die massive Schwäche am Häusermarkt einen Einbruch der Konjunktur nach sich ziehen könnten. Die Europäische Zentralbank hat dagegen signalisiert, dass eine Senkung vorerst nicht auf ihrer Agenda steht. Der Euro-Zins liegt bei 4,0 Prozent.

Die US-Börsen rutschten nach der Fed-Entscheidung ins Minus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 2,1 Prozent, der S&P 500 gab um 2,5 Prozent nach wie auch der Nasdaq Composite. Viele Marktteilnehmer hatten zuletzt auf eine Senkung um 50 Punkte gehofft. Zudem reduzierte die Fed den Diskontsatz, zu dem sich Banken bei ihr Geld leihen können, nur von 5,0 auf 4,75 Prozent. Viele hatten darauf gesetzt, dass der Aufschlag zum Leitzins geringer wird.





Von der Verkaufswelle profitierten Staatsanleihen. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen sackten um 24 Basispunkte ab und fielen unter 3,0 Prozent. Der Dollar, den sinkende Leitzinsen in der Regel belasten, gewann an Boden.

"Die Fed nimmt die Zinsen runter, um eine Rezession zu vermeiden, ohne Panik zu verbreiten", so Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Laut Ian Shepherdson, Chefökonom bei High Frequency Economics, könnte die Fed aber zu vorsichtig agiert haben und vor der Sitzung Ende Januar gezwungen sein, außerplanmäßig zu handeln.

Die Fed betonte erneut, die US-Häuserkrise habe sich verschärft. Die Hauspreise verzeichnen derzeit den schärfsten Rückgang in vier Jahrzehnten. Die Notenbank hob aber erstmals eine Abschwächung bei den Unternehmens- und Konsumausgaben hervor.

Im dritten Quartal hatte die US-Wirtschaft noch ein Wachstum von annualisiert 4,9 Prozent verzeichnet. Für das vierte Quartal erwarten Volkswirte im Schnitt aber nur noch 1,0 Prozent. Einige Beobachter schätzen nun die Chance einer Rezession gar auf 50 Prozent. Die Fed dagegen erwartet künftig ein "moderates" Wachstum.

Zur Inflation betonte die Fed, die Situation habe sich in diesem Jahr "leicht" verbessert. Die hohen Energie- und Rohstoffpreise könnten künftig aber "Aufwärtsdruck" auf die Preise entwickeln. Anders als Ende Oktober gab die Notenbank kein Urteil zur Gewichtung der Risiken ab. Sie erklärte nur, für den Inflations- wie für den Wachstumsausblick habe sich die Unsicherheit durch die Finanzkrise erhöht.

"Die Fed hat nichts versprochen, sich aber die Tür für weitere Zinsschritte offengehalten", sagte Greg Anderson, Devisenstratege von ABN Amro. Die Märkte erwarten nun mit knapp 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit, dass der Zins Ende Januar weiter sinkt.

DJ DEVISEN/US-Zinsentscheidung lässt Yen steigen

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Entscheidung der Federal Reserve vom Vorabend, die Leitzinsen um 25 Basispunkte zu senken, hat neben dem Dollar zum Euro vor allem dem Yen auf die Sprünge geholfen. Die US-Notenbank hat zwar wie von den meisten Volkswirten erwartet, die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt, im Markt gab es allerdings nicht wenige Investoren, die auf einen Schritt von 50 Basispunkten gehofft hatten. Daneben wurde auch der Diskontsatz um 25 Basispunkte gesenkt. Auch hier hatten viele auf 50 Punkte gehofft. Die US-Notenbank habe das Minimum geliefert, mehr nicht, heißt es im Handel.

Während es an Wall Street daraufhin kräftig nach unten ging, konnte der Dollar gegen den Euro zumindest kurzfristig leicht zulegen. Der eigentliche Gewinner der Fed-Entscheidung ist allerdings die japanische Währung, der zu Dollar und Euro zugelegt hat. Die Anleger scheinen der Meinung zu sein, dass die Maßnahmen der Fed nicht ausreichen, um die Probleme an den US-Kreditmärkten zu lösen bzw das Risiko einer US-Rezession auszuschalten, heißt es. Es könnte nun wieder zu einem stärkeren Anstieg von Risikoaversion unter den Anlegern kommen, so ein Teilnehmer. Das spreche nicht unbedingt für die US-Währung.

Am Berichtstag stehen einmal mehr Konjunkturdaten aus den USA im Fokus. Am Nachmittag werden die Import- und Exportpreise November sowie die Handelsbilanz für Oktober veröffentlicht. Aus technischer Sicht ist der Euro zum Dollar laut Bankhaus Metzler bei 1,4520 USD unterstützt. Bei 1,4790 USD liege ein Widerstand. Die Feinunze Gold notiert am Morgen bei 805,85 USD nach einem Nachmittagfixing in London bei 808,75 USD.





Europa New York Europa (7.55) (Späthandel) (17.25)
EUR/USD 1,4685 1,4651 1,4689
USD/JPY 111,08 110,67 111,68
EUR/JPY 163,12 162,14 164,25
EUR/GBP 0,7199 --- 0,7210
EUR/CHF 1,6603 --- 1,6602