von Mark Schrörs und Yasmin Osman (Frankfurt)
Angesichts deutlich gestiegener Risiken für die Konjunktur hat die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins erneut gesenkt. Die Währungshüter nahmen den Satz von 4,5 auf 4,25 Prozent zurück. Daraufhin knickten die US-Börsen ein.
Die Fed betonte, die Spannungen an den Finanzmärkten hätten seit Ende Oktober "zugenommen". Jüngste Daten deuteten an, dass sich das Wachstum "verlangsamt". Der Chef der Fed Boston, Eric Rosengren, stimmte gar für eine Senkung um 50 Basispunkte.
Damit hat die Fed den Zinssatz seit Mitte September um einen Prozentpunkt reduziert. Hintergrund ist die Sorge, dass die Krise um faule US-Hypothekenkredite, die Turbulenzen im Finanzmarkt und die massive Schwäche am Häusermarkt einen Einbruch der Konjunktur nach sich ziehen könnten. Die Europäische Zentralbank hat dagegen signalisiert, dass eine Senkung vorerst nicht auf ihrer Agenda steht. Der Euro-Zins liegt bei 4,0 Prozent.
Die US-Börsen rutschten nach der Fed-Entscheidung ins Minus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 2,1 Prozent, der S&P 500 gab um 2,5 Prozent nach wie auch der Nasdaq Composite. Viele Marktteilnehmer hatten zuletzt auf eine Senkung um 50 Punkte gehofft. Zudem reduzierte die Fed den Diskontsatz, zu dem sich Banken bei ihr Geld leihen können, nur von 5,0 auf 4,75 Prozent. Viele hatten darauf gesetzt, dass der Aufschlag zum Leitzins geringer wird.

Von der Verkaufswelle profitierten Staatsanleihen. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen sackten um 24 Basispunkte ab und fielen unter 3,0 Prozent. Der Dollar, den sinkende Leitzinsen in der Regel belasten, gewann an Boden.
"Die Fed nimmt die Zinsen runter, um eine Rezession zu vermeiden, ohne Panik zu verbreiten", so Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Laut Ian Shepherdson, Chefökonom bei High Frequency Economics, könnte die Fed aber zu vorsichtig agiert haben und vor der Sitzung Ende Januar gezwungen sein, außerplanmäßig zu handeln.
Die Fed betonte erneut, die US-Häuserkrise habe sich verschärft. Die Hauspreise verzeichnen derzeit den schärfsten Rückgang in vier Jahrzehnten. Die Notenbank hob aber erstmals eine Abschwächung bei den Unternehmens- und Konsumausgaben hervor.
Im dritten Quartal hatte die US-Wirtschaft noch ein Wachstum von annualisiert 4,9 Prozent verzeichnet. Für das vierte Quartal erwarten Volkswirte im Schnitt aber nur noch 1,0 Prozent. Einige Beobachter schätzen nun die Chance einer Rezession gar auf 50 Prozent. Die Fed dagegen erwartet künftig ein "moderates" Wachstum.
Zur Inflation betonte die Fed, die Situation habe sich in diesem Jahr "leicht" verbessert. Die hohen Energie- und Rohstoffpreise könnten künftig aber "Aufwärtsdruck" auf die Preise entwickeln. Anders als Ende Oktober gab die Notenbank kein Urteil zur Gewichtung der Risiken ab. Sie erklärte nur, für den Inflations- wie für den Wachstumsausblick habe sich die Unsicherheit durch die Finanzkrise erhöht.
"Die Fed hat nichts versprochen, sich aber die Tür für weitere Zinsschritte offengehalten", sagte Greg Anderson, Devisenstratege von ABN Amro. Die Märkte erwarten nun mit knapp 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit, dass der Zins Ende Januar weiter sinkt.