Dienstag, 11. Dezember 2007

Notenbanker warnen vor hoher Inflation

von Yasmin Osman (Frankfurt)
Innerhalb der Europäischen Zentralbank ist ein Streit um Inflationsprognosen entbrannt. Mehreren Ratsmitgliedern sind die Erwartungen der Notenbank-Volkswirte zu optimistisch.

Mehrere Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die offiziellen Inflationsprojektionen der eigenen Volkswirte öffentlich infrage gestellt. "Die Prognosen der Volkswirte sind optimistischer als meine Einschätzung", sagte Erkki Liikanen, EZB-Ratsmitglied und Chef der finnischen Notenbank, bei Vorstellung des Wirtschaftsausblicks der Bank of Finland.


Ähnlich hatte sich zuvor EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark geäußert. "Das sind die Analysen und die Projektionen unserer Volkswirte. Im EZB-Rat sind wir zu einem anderen Schluss gekommen", sagte er laut der Nachrichtenagentur Market News.

Am Donnerstag hatten die EZB-Volkswirte ihre Projektionen für 2008 zwar von im Mittel 2,0 auf 2,5 Prozent angehoben. Für 2009 hatten sie aber 1,8 Prozent erwartet. Doch das könnte noch immer zu wenig sein. Liikanens Misstrauen bezieht sich auch auf die Prognose für 2009. Das ist wichtig, weil die EZB die Inflation zu diesem Zeitpunkt noch mittels der Zinsschraube beeinflussen könnte.

Das Misstrauensvotum ist ungewöhnlich. "Wir haben noch nie ein so hohes Maß an Meinungsverschiedenheit gesehen", sagte James Nixon, EZB-Beobachter der Société Générale. Er führte dies darauf zurück, dass die Volkswirte in den vergangenen Jahren wiederholt Inflationsgefahren unterschätzt hatten. Nicht alle EZB-Mitglieder aber sind pessimistisch. Irlands Notenbankchef hielt ym Montag weiter an der Prognose von unter zwei Prozent im Jahr 2009 fest.

Finanzexperten fürchten Konjunktureinbruch

Das Konjunkturbarometer des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist im Dezember erneut gesunken. Finanzmarktexperten sehen klare Wachstumsrisiken und rechnen mit getrübten Exportaussichten.

Das ZEW-Barometer sank im Dezember auf minus 37,2 Punkte, teilte das Institut am Dienstag mit. Damit haben professionelle Anleger und Analysten die deutschen Konjunkturaussichten im Dezember negativer bewertet als im Vormonat.

"Die befragten Finanzmarktexperten sehen klare Risiken für das Wachstum wichtiger Industrieländer, insbesondere der Vereinigten Staaten. Dies trübt die Exportaussichten für die deutsche Wirtschaft", erklärte das ZEW. Auch die Stärke des Euro zum Dollar wirke sich belastend aus. Volkswirte hatten im Schnitt mit einer weiteren leichten Eintrübung auf minus 34,0 Zähler gerechnet nach einem Stand von minus 32,5 im November.

Der Index für die Lage verschlechterte sich ebenfalls und sank auf 63,5 von 70,0 Punkten. Volkswirte hatten hier mit einem Rückgang auf 68,0 Zähler gerechnet. "Heimische und weltwirtschaftliche Unwägbarkeiten bremsen die Konjunkturdynamik deutlich ab", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz zu der Umfrage unter rund 300 Experten.

"Das ist eine kleine Enttäuschung", sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank. "Eigentlich war das Umfeld für die Finanzmärkte recht gut. Das hat etwa die Aktienmärkte beflügelt, aber hat nicht ausgereicht, die Konjunkturskepsis auszugleichen." Der Rückgang sei relativ stark bei der Lage, aber eigentlich noch moderat im Vergleich zu den Erwartungen. "Interessant, dass die Erwartungen für alle Wirtschaftsräume rückläufig sind, auch für Großbritannien", so Scheuerle.

EUR/USD vor neuer Rallye?

Alle Augen sind derzeit auf die Sitzung der US-Notenbank am morgigen Dienstagabend gerichtet. Eine Zinssenkung scheint so gut wie sicher zu sein. Allerdings ist "nur" ein 25-Basispunkte-Schritt nach unten zu erwarten. Für eine noch stärkere geldpolitische Lockerung ist die US-Konjunktur zu stark.

US-Arbeitsmarktdaten durchwachsen

Das zeigten auch die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten. Die Beschäftigung stieg um 94.000 Personen. Das klingt viel, ist aber gerade genug, um nicht von einer drohenden Rezession auszugehen. Die US-Wirtschaft muss ständig neue Arbeitsplätze schaffen, da im Gegensatz z.B. zu Deutschland in den USA die Bevölkerung steigt. Insgesamt ist das Beschäftigungswachstum über das gesamte Jahr 2007 trotz einigem Auf und Ab in einer Abwärtstendenz. Dazu passt, dass die Zahlen der beiden Vormonate um 48.000 nach unten korrigiert wurden. Auch ein Blick auf die einzelnen Branchen macht eher skeptisch. Der Beschäftigungsanstieg fand wieder einmal überwiegend im Dienstleistungssektor statt. In der Bauwirtschaft und im Finanzsektor wurden Jobs abgebaut - wen wundert´s. Auch die Deindustrialisierung setzte sich mit einem Beschäftigungsrückgang im verarbeitenden Gewerbe fort.

EUR/USD wieder im Aufwind?

EUR/USD hat seinen kurzfristigen Abwärtstrend gebrochen und ist wieder über die Marke von 1,47 USD gestiegen. Das könnte die charttechnische Basis für weitere Kursgewinne sein. Von einer erneuten Trendwende nach oben könnte man aber erst sprechen, wenn auch der Widerstand bei 1,4770 überwunden wäre.

Kanada mit überraschender Zinssenkung

Die Senkung des Leitzinses durch die Bank of Canada von 4,50 auf 4,25 Prozent kam für viele überraschend. Es dürfte sich um eine vorsorgliche Maßnahme handeln, mit der die negativen Folgen eines weiteren Konjunkturabschwungs in den USA abgefedert werden sollen. Der seit Anfang November zu beobachtende starke Abwertungsdruck auf den Wechselkurs des Kanada-Dollars sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem US-Dollar verstärkte sich dadurch weiter. Die neuseeländische Notenbank ließ dagegen ebenso wie die Reserve Bank of Australia den Leitzins unverändert. Der Austral-Dollar geriet im Anschluss an die Notenbanksitzung allerdings ebenfalls unter Verkaufsdruck, da sich die Notenbanker bezüglich der weiteren Aussichten für die Weltkonjunktur skeptisch zeigten. Eine weitere Zinserhöhung ist damit trotz des anhaltend hohen Zinsniveaus unwahrscheinlicher geworden. Die neuseeländische Notenbank erteilte Spekulationen über eine Zinssenkung eine klare Absage. Angesichts des hohen Inflationsdrucks werde der Leitzins länger als bisher angenommen auf dem hohen Niveau bleiben.

Erfolgreiche Devisen-Trades wünscht



DJ DEVISEN/Abwartendes Geschäft vor Fed-Entscheidung

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Euro präsentiert sich beim Übergang in den europäisch geprägten Handel am Dienstagmorgen wenig verändert gegen den Dollar. Händler stellen sich vor der Leitzinsentscheidung der US-Notenbank am Abend auf ein zurückhaltendes Geschäft ein, in dem sich die Einheitswährung in einer Spanne zwischen 1,4700 und 1,4750 zum Dollar bewegen dürfte. Die Marktakteure rechnen überwiegend mit einer Senkung um 25 Basispunkte auf 4,25%. "Die jüngsten Äußerungen prominenter Fed-Mitglieder deuten ganz klar auf eine derartige Intention hin", merkt die Deutsche Bank an. Die jüngsten Konjunkturdaten stünden einer weiteren Lockerung ebenfalls nicht im Wege. Eine "große" Zinssenkung von 50 Basispunkten ist dagegen laut Beobachtern nach dem überraschend starken Anstieg der Stundenlöhne im November weitgehend vom Tisch.

Sollte es wider Erwarten doch zu einer Zinssenkung um 50 Basispunkte kommen, dürfte das zwar positiv von den globalen Aktienmärkten aufgenommen werden, der Dollar werde dann allerdings wohl unter Abgabedruck gegen den Euro geraten, heißt es im Handel. Im Gegensatz zur Fed äußern sich Mitglieder der EZB weiter zurückhaltend zum Thema Zinssenkung. So hat Jürgen Stark am Montag erneut darauf hingewiesen, dass die Inflation in der Eurozone stärker als von der EZB prognostiziert ansteigen könnte. Diese Kommentare sprechen nicht für baldige Zinssenkungen seitens der Notenbank. Der Euro konnte sich daraufhin am Vortag leicht befestigen und stieg über das Niveau von 1,4700 USD. Aus technischer Sicht ist der Euro zum Dollar laut Bankhaus Metzler bei 1,4520 USD unterstützt. Bei 1,4790 USD liege ein Widerstand.

Die Feinunze Gold notiert am Morgen bei 806,95 USD nach einem Nachmittagsfixing in London mit 809,50 USD.





Europa New York Europa (8.03) (Späthandel) (17.14)

EUR/USD 1,4730 1,4713 1,4712
USD/JPY 111,78 111,64 111,73
EUR/JPY 164,65 164,25 164,41
EUR/GBP 0,7193 --- 0,7186
EUR/CHF 1,6608 --- 1,6582