Innerhalb der Europäischen Zentralbank ist ein Streit um Inflationsprognosen entbrannt. Mehreren Ratsmitgliedern sind die Erwartungen der Notenbank-Volkswirte zu optimistisch.Mehrere Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die offiziellen Inflationsprojektionen der eigenen Volkswirte öffentlich infrage gestellt. "Die Prognosen der Volkswirte sind optimistischer als meine Einschätzung", sagte Erkki Liikanen, EZB-Ratsmitglied und Chef der finnischen Notenbank, bei Vorstellung des Wirtschaftsausblicks der Bank of Finland.
Ähnlich hatte sich zuvor EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark geäußert. "Das sind die Analysen und die Projektionen unserer Volkswirte. Im EZB-Rat sind wir zu einem anderen Schluss gekommen", sagte er laut der Nachrichtenagentur Market News.
Am Donnerstag hatten die EZB-Volkswirte ihre Projektionen für 2008 zwar von im Mittel 2,0 auf 2,5 Prozent angehoben. Für 2009 hatten sie aber 1,8 Prozent erwartet. Doch das könnte noch immer zu wenig sein. Liikanens Misstrauen bezieht sich auch auf die Prognose für 2009. Das ist wichtig, weil die EZB die Inflation zu diesem Zeitpunkt noch mittels der Zinsschraube beeinflussen könnte.
Das Misstrauensvotum ist ungewöhnlich. "Wir haben noch nie ein so hohes Maß an Meinungsverschiedenheit gesehen", sagte James Nixon, EZB-Beobachter der Société Générale. Er führte dies darauf zurück, dass die Volkswirte in den vergangenen Jahren wiederholt Inflationsgefahren unterschätzt hatten. Nicht alle EZB-Mitglieder aber sind pessimistisch. Irlands Notenbankchef hielt ym Montag weiter an der Prognose von unter zwei Prozent im Jahr 2009 fest.


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