UBS ist noch tiefer in den Strudel der US-Hypothekenkrise gerissen worden. Bei ihren Geschäften im US-Hypothekenmarkt muss die Schweizer Großbank 10 Mrd. $ (6,8 Mrd. Euro) abschreiben. Sie beschaffte sich neues Kapital bei zwei großen strategischen Privatanlegern.Das teilte die Bank am Montag in Zürich mit. UBS rechnete nun auch für das vierte Quartal 2007 mit einem Verlust. Bereits im dritten Quartal war wegen Abschreibungen in Höhe von rund 4,7 Mrd. $ ein Minus von 726 Mio. Franken (rund 433 Mio. Euro) entstanden. Im Vergleich stand im dritten Quartal des Vorjahres ein Überschuss von 2,8 Mrd. Franken in den Büchern. Es sei zudem möglich, dass das Jahresergebnis 2007 negativ ausfalle, teilte das Finanzinstitut ferner mit. Es wäre der erste Jahresverlust in der zehnjährigen Geschichte der Bank.
Zugleich erhielt UBS neues Kapital von zwei strategischen Investoren aus Singapur und dem Nahen Osten. Diese schießen zusammen 13 Mrd. Franken nach. Dabei entfallen auf den Staatsfonds aus Singapur, die Government of Singapore Investment Corporation (GIC), 11 Mrd. Franken. Ein zweiter, nicht genannter Investor aus Nahost legt 2 Mrd. Franken an. Die UBS-Aktie fiel am Montag zuerst um rund 3 Prozent, konnte aber dann die Verluste eindämmen und notierte am Vormittag um 2 Prozent stärker.
Staatsfonds liebäugeln mit Banken
Bislang haben Banken weltweit im Zuge der Hypothekenkrise Wertberichtigungen in Höhe von rund 66 Mrd. $ vorgenommen. Besonders stark ist der Abschreibungsbedarf bei strukturierten Produkten wie Collateralized Debt Obligations (CDOs). Das sind Investmentpools, an die Anleger Kredite vergeben und die wiederum in Kreditportfolien und in riskantere Tranchen von zweitklassigen Hypothekendarlehen investierten. UBS ist nach Bear Stearns und Citigroup ein weiteres Institut in kurzer Zeit, das mithilfe eines großen Investors seine Kapitalbasis stärken muss. Bei Bear Stearns stieg die chinesische Citic, bei Citigroup der Staatsfonds Abu Dhabi ein. Die Qatar Investment Authority (QIA), die 60 Mrd. $ für den Ölstaat verwaltet, sieht im Finanzsektor derzeit gute Einstiegschancen. "Da bieten sich momentan hervorragende Investitionsmöglichkeiten für Staatsfonds", sagte Kennteh Chen, Portfoliostratege bei QIA, am Montag.
UBS-Chef peilt maximale Transparenz an
Die UBS hat es im Vergleich zu anderen Banken hart erwischt. Im Juli musste Vorstandschef Peter Wuffli gehen, kurz darauf folgte Finanzchef Clive Standish. In den vergangenen zwölf Monaten hat die UBS-Aktie 21-Prozent ihres Werts verloren. Am 30. Oktober hatten die Schweizer bekannt gegeben, 16,8 Mrd. $ in hypothekenbesicherte Anleihen, 1,8 Mrd. $ in CDOs und 20,2 Mrd. $ in sogenannten Super-Senior-Finanzinstrumente investiert zu haben. "Super Senior" steht für CDO-Tranchen, die über ein Rating von "AAA" verfügen. Sie sind bei einem Ausfall also sicherer als andere Tranchen derselben Emission. Analysten hatten angesichts des großen Wertpapierbestandes mit weiteren Abschreibungen von durchschnittlich 2,6 Mrd. Franken gerechnet.
Wuffli-Nachfolger Marcel Rohner versucht nun, mit maximaler Transparenz den Kursverfall zu stoppen: "Die anhaltenden Spekulationen über den effektiven Wert unserer Subprime-Bestände - der sich noch immer nicht genau beziffern lässt - wirkten in den vergangenen Monaten belastend. Diese Abschreibungen bringen unseres Erachtens ein Maximum an Transparenz und werden das Potenzial für Spekulationen über notwendige weitere Bewertungskorrekturen bei UBS minimieren", teilte Rohner in einer Stellungnahme mit. "Zusammen mit der Stärkung unserer Kapitalbasis wird uns dies erlauben, uns auf die weitere Entwicklung unseres Kundengeschäfts zu konzentrieren."
UBS verzichtet auf Bardividende
Neben den 13 Mrd. Schweizer Franken, die externe Investoren in die Bank pumpen, wird die UBS mit zwei weiteren Maßnahmen ihre Kapitalbasis stärken. Zum einen sollen 36,4 Millionen Aktien aus den Treasury-Beständen ausgegeben werden, die ursprünglich vernichtet werden sollten. Zum anderen soll die angekündigte Bardividende durch eine Aktiendividende ersetzt werden. Hier müssen die Aktionäre noch zustimmen. Insgesamt würde sich das Tier-1-Kapital der UBS um 19,4 Mrd. Franken erhöhen. Die Kernkapitalquote wird dann über zwölf Prozent betragen.
Marcel Ospel, Präsident des Verwaltungsrats der UBS, sieht darin allerdings keine Notfallaktion. "Die am US-Hypothekenmarkt erlittenen Verluste sind zwar beträchtlich, hätten aber durch unsere Ertragskraft und Kapitalbasis aufgefangen werden können. Dennoch ist es für uns wichtig, eine ausgeprägt solide Kapitalbasis unter jeglichen Bedingungen aufrechtzuerhalten. Denn diese unterstützt das anhaltende Wachstum im Wealth-Management-Geschäft, dem bedeutendsten Wachstumstreiber der UBS-Aktionäre", teilte Ospel in einer Stellungnahme mit. Einen Rücktritt schloss Ospel aus. "Ich wollte Teil der Lösung des Problems sein", sagte er im schweizerischen Rundfunk.


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