Der neue Citigroup-Chef Vikram Pandit holt zum ersten Paukenschlag aus. Er nimmt angeschlagene Investments auf die Bücher und begräbt de facto die Pläne für einen US-Superfonds.Die Entscheidung der Citigroup, sieben angeschlagene Investmentgesellschaften in die Bilanz aufzunehmen, wird Experten zufolge den geplanten Rettungsfonds hinfällig machen. Dieser sollte die kaum noch handelbaren Kreditpakete aufkaufen, die oft US-Hypotheken niedriger Bonität (Subprime) enthalten. "Der Schritt der Citigroup reduziert die Notwendigkeit einer solchen Institution natürlich erheblich", sagte Michael Sheldon, Chefinvestmentstratege bei dem US-Brokerhaus Spencer Clarke.
Am späten Donnerstagabend hatte die Citigroup, die nach Börsenwert zweitgrößte Bank der Welt, bekannt gegeben, dass sie sieben ihrer strukturierten Investmentvehikel (SIVs), die in die Krise geraten sind, in ihre Bilanz aufnehmen will. Den Wert ihrer Anlagen bezifferte der Finanzkonzern mit 49 Mrd. $; im August waren es noch 87 Mrd. $. Im Geschäft mit diesen SIVs, die strukturierte Kreditprodukte aufkaufen, ist die Citigroup Marktführer. Das gesamte Marktvolumen beträgt geschätzte 350 Mrd. $. Die Citigroup war bei dem Geschäft mit verbrieften Hypotheken ein Vorreiter. Der Konzern gilt als der Erfinder der SIVs.
Ursprünglich hatte insbesondere die Citigroup für den Rettungsfonds geworben. Unter ihrem neuen Chef Vikram Pandit, der erst wenige Tage im Amt ist, vollzieht die Bank nun den Strategiewechsel. Noch Anfang November hatte sie US-Aufsehern mitgeteilt, dass sie nichts unternehmen werde, was dazu führen könnte, dass der Konzern die SIVs konsolidieren müsste.
Laut Citigroup wird durch die Aufnahme in die Bilanz die wichtige Kernkapitalquote von 7,3 auf 7,14 Prozent sinken. Die Quote ist eine Kenngröße für die Finanzstärke einer Bank. Die interne Zielgröße der Citigroup liegt bei 7,5 Prozent, die Bankenaufsicht schreibt vier Prozent als zwingend vor. Die Ratingagentur Moody's nahm die Bewertung der Bonität um eine Stufe auf Aa3 zurück, weil die Bank ihre Kapitalbasis wohl nicht rasch wieder werde stärken können. Die Citi-Aktie schloss am Freitag in einem aber ohnehin schwachen Marktumfeld mit einem Minus von einem Prozent.
Pandit hatte schon in seinem früheren Job bei der Citigroup als Chef des Investmentbankings gezeigt, dass er wenig zögert, wenn ihm Missstände auffallen. Als sein Vorgänger an der Konzernspitze, Charles Prince, im Oktober das Investmentbanking mit dem angeschlagenen Geschäft für alternative Anlageformen zusammenlegte, stieg Pandit zum Chef dieses riesigen Geschäftszweigs auf. Nur Tage später ernannte er neue Topmanager und bündelte das Aktien- und Anleihengeschäft. Nun startet er ähnlich forsch. "Mit dieser Aktion zeigt Pandit schon von Beginn an Flagge. Er will den Investoren zeigen, dass er jetzt das Ruder in der Hand hält - und mit dieser Aktion konnte er das beweisen", sagte eine Branchenkennerin.
Die Citigroup folgt mit diesem Schritt Finanzhäusern wie der britischen HSBC, der französischen Société Générale, der niederländischen Rabobank und der deutschen WestLB, die zuvor SIVs in ihre Bücher aufgenommen hatten.
Im Oktober hatten US-Finanzminister Henry Paulson, Citigroup, Bank of America sowie JP Morgan Chase den Superfonds angekündigt. In den vergangenen Wochen gab es im Hintergrund heftige Auseinandersetzungen über das Zustandekommen.
In einem Interview der Financial Times warnte der langjährige Chef der Citigroup, Sandy Weill, Pandit vor noch radikaleren Schritten. Die Bank dürfe nicht aufgespalten werden, eine Kombination aus Filialbank und Investmentbank sei heute noch sinnvoller als bei der Gründung des Konzerns durch Weill 1998: "Richtig gemanagt, ergibt das allen Sinn der Welt." Weill, der als Erfinder des Allfinanzkonzepts gilt, bezeichnete Pandit dennoch als eine "Triebfeder der Veränderung".



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