Freitag, 16. November 2007

Talfahrt mit Gewinn

von Benjamin Feingold

Experten erwarten weitere Kursverluste chinesischer Aktien. Wie Anleger mit Short-Papieren profitieren können, wenn Chinas überhitzte Börsen nachgeben, lesen Sie hier.

Seit seinem Hoch Mitte Oktober hat der Shanghai Composite Index zwischenzeitlich mehr als 15 Prozent verloren. Am Dienstag etwa hatte die hohe Inflationsrate die Anleger in Schrecken versetzt: Mit 6,5 Prozent lag sie so hoch wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Am Mittwoch legte der Index zwar wieder knapp fünf Prozent zu. Doch dass die Talfahrt gestoppt ist, bezweifeln viele. Beobachter sind sich einig, dass sich in China eine gewaltige Spekulationsblase gebildet hat. Die rasanten Kursanstiege und die hohe Bewertung chinesischer Aktien erinnern an die Technologiehausse Ende der 90er-Jahre.

Um von einem Platzen dieser möglichen Blase zu profitieren, müssen Anleger zwischen zwei Hauptsegmenten in China unterscheiden. Zum einen gibt es die Festlandbörsen in Schanghai und Shenzen mit ihren A- und B-Aktien und zum anderen die H-Aktien und Red Chips aus Hongkong. Chinesischen Privatanleger und viele börsennotierte staatliche Unternehmen selbst haben mit ihren Aktienengagements die Kurse der spekulativen A-Aktien in die Höhe getrieben. Hier ist die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 50 für 2007 sehr hoch.

Versuch, die Spekulationsblase zu verhindern

Die chinesische Regierung hat daher Anfang November die Staatsfirmen angehalten, ihre Engagements am Aktienmarkt zu reduzieren und sich nicht übermäßig an Spekulationsgeschäften zu beteiligen. Isaac Meng, Chinaanalyst von BNP Paribas, sieht hierin den Versuch, eine Spekulationsblase zu verhindern. Offensichtlich nehmen die Börsianer diese Ankündigung ernst, wie die fallenden Kurse zeigen. Vorherige Versuche, die Hausse zu bremsen, sind dagegen gescheitert.

Anleger können mit dem Turbo-Bear-Papier von ABN Amro auf den FTSE Xinhua 50 A-Shares an fallenden Kursen der A-Titel partizipieren. Der Index umfasst die 50 größten A-Aktien in China. Das Papier besitzt derzeit einen Hebel von 3,0. Bei einem Kursrückgang von zehn Prozent würde der Turbo-Short um annähernd 30 Prozent zulegen.

Spiegelverkehrt zum jeweiligen Index

In Hongkong fällt die Bewertung trotz des rasanten Kursanstiegs in den vergangenen Monaten moderater aus als bei den A-Aktien. Von August bis Oktober hat sich etwa der Hang Seng China Enterprises Index (HSCE) fast verdoppelt. Er misst die Entwicklung der in Hongkong gelisteten H-Aktien chinesischer Firmen. Der Hongkonger Leitindex Hang Seng legte in diesem Zeitraum rund 50 Prozent zu. Auf beide Barometer bietet Goldman Sachs Short-Indexzertifikate an.

Die Papiere haben eine unbegrenzte Laufzeit und entwickeln sich spiegelverkehrt zum jeweiligen Index. Verliert der HSCE beispielsweise fünf Prozent, steigt das Short-Zertifikat um fünf Prozent. Umgekehrt fällt das Papier, wenn der Basiswert steigt. Zusätzlich beinhaltet das Short-Zertifikat die doppelten Tagesgeldzinsen, denn Zinsen fallen sowohl für das investierte Anlagevolumen als auch für die Barmittel aus den Leerverkäufen an. Allerdings verlangt der Emittent eine Gebühr, sodass die Short-Papiere derzeit rund ein halbes Prozent im Jahr kosten. Wer überproportional an fallenden Kursen in Hongkong partizipieren möchte, kann zwischen Turbos und Put-Optionsscheinen wählen. Der in der Tabelle genannte Put-Optionsschein auf den Hang Seng etwa liegt im Plus, wenn der Index zum Laufzeitende Mitte Dezember 2008 unter 27.000 Punkten notiert. Der Anleger macht freilich erst dann einen Gewinn, wenn das Papier zusätzlich seine Kosten eingespielt hat.

Profitieren vom Volatilitätsanstieg

Bei Optionsscheinen müssen Anleger anders als bei den Turbo-Papieren zusätzlich die erwarteten Kursschwankungen (Volatilität) berücksichtigen. Bei Kursrückgängen nimmt die Nervosität in der Regel zu - und damit auch die Volatilität. Dieser Anstieg wirkt sich positiv auf den Wert des Scheins aus. Anleger profitieren mit einem Put also nicht nur von sinkenden Kursen, sondern während der Laufzeit auch von einem Volatilitätsanstieg, wenn es in Hongkong tatsächlich zu einem Kursrutsch kommen sollte.

Ein weiterer Vorteil der Puts im Vergleich zu Turbo-Shorts ist die fehlende Knock-out-Barriere. Sie kann zu einem Totalverlust des Turbo-Papiers führen, sollte der Indexkurs diese Schwelle berühren. Bei den starken Kursschwankungen in Fernost ist das schneller passiert, als mancher Anleger denken mag.

Keine Kommentare: