Freitag, 30. November 2007

Investoren flüchten wieder in Staatstitel

von Doris Grass (Frankfurt)
Die Angst vor weiteren Hiobsbotschaften aus dem Bankensektor und ein kräftiger Sprung bei den Zinsen für Termingeld haben die Investoren wieder Sicherheit in Staatsanleihen suchen lassen. Hinzu kamen neue Sorgen über den Zustand der US-Wirtschaft, nachdem die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung kräftig gestiegen waren.

Außerdem belasteten schlechte Daten vom US-Häusermarkt den Markt. Der Bund-Future stieg bis 18.40 Uhr MEZ um 36 Stellen auf 114,82 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel um vier Basispunkte auf 4,068 Prozent. Die Rendite ihrer US-Pendants sackte um zehn Basispunkte auf 3,94 Prozent ab.

Der Zins für einmonatige Euro-Ausleihungen unter Banken (Euribor) sprang beim Vormittagsfixing um deutliche 65 Basispunkte auf 4,81 Prozent. Dollar-Ausleihungen für einen Monat kosteten 5,23 Prozent - 40 Basispunkte mehr als am Vortag. Marktteilnehmer begründeten dies erneut mit dem extremen Kampf der Banken um Liquidität über das Jahresende hinweg. Der Zweimonats-Euribor kletterte auf 4,781 von 4,739 Prozent am Vortag.

In Großbritannien rutschten die Renditen der Staatspapiere ab, weil Vertreter der Bank of England weitere Zinssenkungen andeuteten. Außerdem wirkten sich schlechte Daten vom Immobilienmarkt aus. Dies drückte auch das Pfund Sterling gegenüber fast allen wichtigen Währungen. Zum Euro gab das Pfund auf 71,52 Pence nach. Der Dollar setzte seine Erholung fort. Am frühen Abend kostete ein Euro 1,4746 $ nach 1,4841 $ am Vortag.

Die britischen Häuserpreise waren im November nach Angaben des viertgrößten britischen Baufinanzierers auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren gefallen; die Zahl der Hypothekenanträge sank im Oktober auf das niedrigste Niveau seit Februar 2005. Notenbankgouverneur Mervyn King sagte bei einer Parlamentsanhörung, die Finanzmärkte hätten ihre Erwartungen für den Leitzins, der seit Juli unverändert bei 5,75 Prozent liege, seitdem um 75 Basispunkte nach unten genommen.

Das Wachstum werde sich 2008 deutlich abschwächen, es sei aber mit einem kurzfristigen Anstieg der Inflationsrate zu rechnen. Der als Befürworter einer lockereren Geldpolitik geltende David Blanchflower, der im geldpolitischen Rat der Bank of England sitzt, forderte sogar eine sofortige Zinssenkung.

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